Bericht zur Veranstaltung "Montessori in die Oberschule - wann, wenn nicht jetzt!"
am 1. Oktober 2003 im Berliner Erich-Fried-Gymnasium

Zum Auftakt trommelte die Gruppe FrieDrums vom Erich-Fried-Gymnasium - vielen Dank dafür! Dank auch an alle Schulen, die sich auf den Pinnwänden präsentiert haben. Es war dort eindrucksvoll zu sehen, wie vielfältig das Montessori-Angebot im Grundschulbereich in Berlin bereits ist. Es kamen ungefähr 200 interessierte Eltern und Lehrer.

Auf dem Podium saßen Frau Kegler, Direktorin der Montessori-Gesamtschule Potsdam; Christoph Miethke, Fördervereinsvorsitzender und Unternehmer aus Potsdam; Anja Belitz von der Friedrichshainer Elterninitiative; Herr Isensee von der GEW und Frau Terzioglu von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport sowie Katrin Girgensohn und Uwe Krähnke von der Elterninitiative als Moderatoren.

Nach einer kurzen Einführung zur Geschichte der Montessori-Pädagogik gab es zwei Filmausschnitte zur Umsetzung in der Oberschule zu sehen.

Anja Belitz berichtete dann zunächst, wie es dazu kam, die Initiative "Weiterführende Montessori-Schule 2005" zu gründen. Unsere guten Erfahrungen mit Montessori-Pädagogik an der Pettenkofer-Grundschule in Friedrichshain, die Begeisterung, mit der unsere Kinder dort lernen hat uns einfach überzeugt und nach Wegen suchen lassen, diese Art des Lernens in der Sekundarstufe fortzusetzen. Auch andere Eltern (über 400) sehen hier einen Bedarf.

Anschließend berichtete Frau Kegler von ihren Erfahrungen in Potsdam. Die Schule dort wurde als Modellprojekt an einer normalen staatlichen Schule von unten aufgebaut und geht von der 1. bis zur 10. Klasse. Frau Kegler betonte, wie wichtig es ist, dass die Lehrer zu Veränderungen bereit sind und hob hervor, dass diese Schule nur durch gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden entstehen konnte. Ein Problem in Potsdam ist das Fehlen einer gymnasialen Oberstufe an der Schule, weil so doch etliche Eltern nach der 7. Klasse ihre Kinder an Schulen anmelden, an denen man das Abitur machen kann - obwohl eine Wechsel nach der 10. Klasse problemlos möglich wäre.

Herr Miethke vom Förderverein berichtete vom Engagement der Eltern an dieser Schule. Er hob hervor, dass den Kindern in Potsdam nicht die Motivation zum Lernen genommen werde und zog dabei eine Parallele zu seinem Unternehmen: auch in der Wirtschaft ist es wichtig, Eigeninitiative zu fördern und Mitarbeiter nicht von oben herab in Richtungen zu zwingen. Vielmehr komme es darauf an, dass sie selbst Ideen entwickeln und umsetzen. Nur so kann ein Unternehmen sich positiv entwickeln.

Herr Isensee schloss mit der Bemerkung an, dass er ja nur selten die Gelegenheit habe, sich als Gewerkschaftler so einig mit einem Unternehmer zu zeigen. Die GEW hat in Berlin den Schulversuch Jahrgangsübergreifendes Lernen (JüL) ins Leben gerufen und setzt sich grundsätzlich für Schulformen ein, die Heterogenität in Schulklassen erlauben. Er sagte für die weiteren Bemühungen Unterstützung der GEW zu. [Inzwischen hat sich Herr Böger bereits positiv zur Ideen von JüL auch in der weiterführenden Schule geäußert]

Frau Terzioglu von der Senatsverwaltung kommt aus der Abteilung für Schulaufsicht, Qualitätsentwicklung und Lehrerbildung und ist zuständig für die Aufsicht über weiterführende Schulen. Frau Terzioglu wies darauf hin, dass es sehr schöne Grundsätze von der Montessorischule gibt, die sie sich für alle Schulen wünscht. Sie erinnerte daran, dass sie nur Schulkonzepte genehmigen könne, die sich nach dem Landesschulgesetz und den Rahmenplänen richten. Ohne ein vorliegendes Konzept könne sie daher nichts zur Montessori-Pädagogik in der Oberschule sagen.

In der anschließenden Runde wurde viel Gesprächsbedarf deutlich. An dieser Stelle können nur einige der Äußerungen genannt werden. Es gab sehr viel Zuspruch für die Initiative und den Wunsch, das Engagement auf breiterer Ebene fortzuführen. Die wichtige Rolle der Lehrer/innen wurde betont. Neben dem Angebot. Lehrer in Montessoripädagogik auszubilden ging der Appell an Frau Terzioglu, zukünftig bitte keine Montessori-Lehrer mehr von Montessorischulen weg an Regelschulen zu versetzen. Ebenso müsse darauf geachtet werden, dass alle Kinder, die von anderen Montessorischulen auf eine weiterführende Montessorischule wechseln wollen, dies auch Bezirksübergreifend tun können. Eine weiterführende Montessorischule solle selbstverständlich auch eine Integrationsschule sein, ganz im Sinne Maria Montessoris. Verschiedene Meinungen gab es zum Thema Gesamtschule/Gymnasium. Eine Montessorischule sollte allen Kindern offen stehen, nicht nur solchen mit Gymnasialempfehlung. Her Isensee wies an dieser Stelle darauf hin, dass inzwischen zentrale Prüfungen nach der 10. Klasse stattfinden müssen und damit auch für Kinder, die nicht das Abitur machen, an Gymnasien keine Nachteile entstehen. Festzuhalten bleibt auf jeden Fall, dass eine weiterführende Montessorischule allen Kindern offen stehen soll! (Vgl. auch dieser Zeitungsartikel)
Um die Kräfte zu bündeln wurde der Vorschlag gemacht, zur Weiterarbeit verschiedene AGs zu gründen. Besonders wichtig ist im Moment die AG Konzept. Unsere Initiative hatte bewusst noch kein fertiges Konzept entwickelt, weil dies in Zusammenarbeit mit der Trägerschule geschehen soll. Da es aber ohne Konzept kein grünes Licht vom Senat geben kann steht es an, diese Ideen auszuformulieren.
Außerdem wurde angeregt, die Arbeit wissenschaftlich zu begleiten, weil es noch viel zu wenig gesicherte Aussagen darüber gibt, wie positiv sich die Montessori-Pädagogik auf das Lernen der Schüler auswirkt. Weitere AGs:
· AG Öffentlichkeitsarbeit;
· AG Lehrerfortbildung/Montessori-Diplom;
· AG Umsetzungsmöglichkeiten am Erich-Fried-Gymnasium (in Kooperation mit AG Konzept);
· AG Zusammenarbeit mit Senat.

 

Fotogalerie - alle Fotos von FOTO-GRAF-IN
Gabriele Fromm gabriele.fromm@freenet.de www.d-foto.net


Die FrieDrums und die Ausstellung der Grundschulen (zurück zum Text)


Die Podiumsrunde:
Herr Isensee, Frau Terzioglu, Katrin Girgensohn, Uwe Krähnke, Anja Belitz, Frau Kegler, Herr Miethke (zurück zum Text) Frau Terzioglu

 

Offene Gesprächsrunde und Buffet (zurück zum Text)

zurück