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Was
wir wollen
Wir möchten die
guten Erfahrungen mit Montessori-Pädagogik, die in Berlin bisher
nur im Grundschulbereicht gesammelt werden konnten, endlich auch an Oberschulen
weiterführen.
Zum Schuljahr 2004/2005
soll an einer Berliner Oberschule mit Unterricht begonnen werden, der
sich an den Prinzipien der Montessori-Pädagogik
orientiert. Weitere Oberschulen sollen folgen.
Hier folgt ein erster
Konzeptentwurf
Konzept für die Montessori-Oberschule in Berlin
1. Einleitung 2
2. Leitideen 4
Jugendliche ernst nehmen 4
Schlüsselqualifikationen 4
Klare Werte 4
3. Pädagogische Überlegungen 5
Vorbereitete Umgebung 5
Die Rolle der Lehrer 5
Die Rolle der Eltern 6
4. Lern- und Arbeitsformen 6
Stundenpool 6
Gebundener Unterricht 6
Jahrgangsübergreifendes Arbeiten 6
Freie Arbeit 7
Projektarbeit/ Epochenunterricht 8
Planspiele 8
Arbeit an und in Schülerfirmen 9
Praktika 9
Kurse und AGs 9
Reisen 10
Präsentationsphasen 10
Gesprächskreise 10
Konflikttraining 10
5. Reflexion des Entwicklungs- und Lernprozesses, Benotung, Schulabschlüsse
10
6. Stundentafel, Tages- und Jahresablauf 11
7. Zeitplan für die Umsetzung 11
8. Finanzbedarf 11
1. Einleitung
Die hier vorgestellte Konzeption soll dazu beitragen, die gesetzlich
freigestellte Schulvielfalt zu verwirklichen und zu erweitern, um das
eigentliche Ziel der Bildungsvielfalt in Berlin zu ermöglichen. Die
Gründung einer staatlichen Montessori-Oberschule ist ein folgerichtiger
und notwendiger Schritt für die weiterführende Bildung der Montessori-Grundschüler
und in Berlin schon seit Jahren überfällig!
Als Hauptstadt, Wirtschafts- und Bildungsmetropole kann Berlin es sich
nicht leisten, sich fortschrittlichen pädagogischen Konzepten zu
verschließen. Das neue Berliner Schulgesetz kommt dieser innovativen
Form von Schule in vielen Punkten entgegen.
Mit der Gründung einer Berliner Montessori-Oberschule werden die
Kompetenzen aufgegriffen, welche die zur Zeit rund 7.000 Grundschulkinder
mitbringen, die an verschiedenen Berliner Schulen nach den pädagogischen
Grundlagen Maria Montessoris unterrichtet werden: selbständiges,
interdisziplinäres Lernen und der soziale Umgang aller Menschen miteinander
in einer "Erfahrungsschule des sozialen Lebens".
An vielen Montessori-Oberschulen in Deutschland hat sich die Weiterführung
der Montessori-Pädagogik bereits bewährt.
In Bezug auf die Forderungen an das Bildungssystem Deutschlands nach den
Ergebnissen der Pisa-Studie ist vorliegendes Konzept zeitlich und inhaltlich
passend und soll als realistische Möglichkeit zur Entwicklung neuer
Ideen in der Bildungslandschaft Berlins und unseres Landes allgemein verstanden
werden.
Mit ihrem bildungspolitisch aktuellen pädagogischen Programm kann
die neugegründete Montessori-Oberschule richtungsweisend für
die gesamte Berliner Schullandschaft werden. Es bietet sich an, die neuen
Lern- und Arbeitsformen an einer Montessorischule zu erproben und sie
für alle Berliner Schulen fruchtbar zu machen. In diesem Sinne sollte
die Realisierung des Schulkonzeptes bei der schrittweisen Umsetzung universitär
angebunden und wissenschaftlich begleitet werden .
Die Aktualität des Inhalts der Montessori-Pädagogik lässt
sich auch im Vergleich zu den Forderungen und Zielen des Neuen Schulgesetzes
für Berlin verdeutlichen. So wird im Punkt A 2. b) und c) ein Paradigmenwechsel
gefordert, der besagt, dass nicht der Schüler passend zur Schule
gemacht wird, sondern die Schule sich auf ihre Schüler einstellen
muss. Es geht also inzwischen um eine Individualisierung des Lernprozesses,
wie sie Maria Montessori bereits vor vielen Jahren gefordert hat. Denn
es geht nicht darum, die Kinder wie leere Gefäße mit Wissen
zu füllen, sondern die selbständige Entwicklung der Kinder nach
ihrem inneren Plan zu fördern. Dafür bringen sie alle Voraussetzungen
mit.
Sie entwickeln sich aus sich selbst und benötigen dafür eine
geeignete Umgebung. Mit dieser Betrachtungsweise ergibt sich eine andere
Haltung als die traditionelle dem Kind oder Jugendlichen gegenüber
: das Kind ist nicht Objekt sondern Subjekt in seinem Entwicklungsprozess
und verdient Achtung und Respekt von Eltern und Pädagogen!
Der große Schatz der Montessori-Pädagogik - und der Grund,
weshalb sich so viele Eltern, Schüler und Lehrer von ihr begeistern
lassen - ist die Betrachtung des Menschen, des Schülers als ganzheitliche
Persönlichkeit, die vielfältigste Anlagen in sich trägt.
Wenn sich dieses Potential - praktisch, intellektuell, emotional und sozial
- unter geeigneten Bedingungen und in einer darauf vorbereiteten Umgebung
entfalten kann, werden sich individuelle, sozial kompetente junge Menschen
entwickeln, die auch über eine fundierte fachlich-kognitive Ausbildung
verfügen. Das macht sie zu verantwortungsbewussten, teamfähigen
und selbstbewussten Menschen, die selbständig mit Fachkompetenz Probleme
erkennen und lösen können. Damit sind sie auf die Anforderungen
in der Gesellschaft und in der freien Wirtschaft ebenso gut vorbereitet,
wie auf die Herausforderungen im privaten Leben.
Für die besonderen Bedingungen unserer Welt im 21.Jahrhundert ist
ein diesen Gegebenheiten und Anforderungen entsprechendes Lehr- und Erziehungsprinzip
an den Schulen unumgänglich! Die allgemeine Unzufriedenheit der Schüler
und Lehrer ist seit vielen Jahren bekannt, doch bedurfte es erst einer
internationalen Studie, um die Notwendigkeit der Veränderung glaubhaft
zu machen.
Die Arbeit für eine weiterführende Montessori-Schule in Berlin
begann im Jahr 2001 in Zusammenwirkung von Eltern und Lehrern in der "Initiative
Weiterführende Montessori-Schule 2005".
Ziel der Initiative ist die Etablierung einer staatlichen weiterführenden
Schule in eigener Verantwortung (entsprechend Schulgesetz), die mit der
Montessori-Pädagogik arbeitet - spätestens zu Beginn des Schuljahres
2005/2006.
Damit alle Schulabschlüsse erreicht werden können, scheint als
Schulform die Gesamtschule besonders geeignet.
Um den Zugang für die Schüler aus den verschiedenen Stadtbezirken
Berlins günstig zu gestalten, ist eine zentrale Lage der Schule anzustreben.
Die Initiative erhielt Anfragen von etwa 500 Eltern, die eine solche Schule
für ihre Kinder wünschen. Es wird in den nächsten Jahren
mit einem ständig wachsenden Bedarf gerechnet, da auch die Nachfragen
für Schulplätze an Montessori-Grundschulen zunehmen und zum
Teil schon nicht mehr alle erfüllt werden können.
Rund 200 Interessierte kamen zu einer Informationsveranstaltung am 01.10.2003
im Erich-Fried-Gymnasium.
2. Leitideen
Jugendliche ernst nehmen
Nach Maria Montessori beginnt bei Kindern ungefähr mit dem 12. Lebensjahr
(also ab der 7. Jahrgangsstufe) eine neue, entscheidende Entwicklungsphase.
Durch eigene schöpferische Tätigkeit wollen sie Selbstvertrauen
gewinnen, andererseits möchten sie den Schutz und die Geborgenheit
einer sozialen Gemeinschaft erfahren. Es ist ihnen nun ein Grundbedürfnis,
gesellschaftlich relevant zu handeln und soziale Verantwortung zu übernehmen.
Sie müssen in diesem Bedürfnis ernst genommen und unterstützt
werden. Eine Schule, die keinen Bezug herstellt zwischen dem Lernstoff
und dem wirklichen Leben, die Wissen nicht in Zusammenhängen vermittelt,
führt in vielen Fällen zu Langeweile und Frustration. Sie vergeudet
Energien der Jugendlichen und lässt wertvolle Anlagen ungenutzt.
Es muss den Jugendlichen die Gelegenheit gegeben werden, nicht nur theoretisches
Wissen zu erlangen, sondern damit vielfältige konkrete Erfahrungen
zu machen - unabhängig von den persönlichen sozialen und wirtschaftlichen
Gegebenheiten. Die jungen Menschen sollen dabei ihre persönlichen
Fähigkeiten ergründen und entwickeln in intellektueller, praktischer,
emotionaler und sozialer Hinsicht. Montessori nennt diese Schule eine
"Erfahrungsschule des sozialen Lebens".
Dabei sollen die Schüler nicht vorwiegend bewertet, sondern ihre
Fähigkeiten erkannt, geschätzt und gefördert werden. Die
besonderen Lebensumstände und körperlich-geistige Reifungsprozesse
formen dabei die individuelle Entwicklung jedes Jugendlichen. So ist das
Lernen nicht der Kampf um eine Note, sondern das fortwährende Streben
nach Erweiterung der eigenen Fähigkeiten.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Arbeit an Montessori-Schulen ist die
Team-Arbeit in Projektgruppen zu selbstgewählten Themen.
Schlüsselqualifikationen
Zu wissen, wie man lernt, ist wichtiger als jedes Detailwissen. Diese
Fähigkeit den Jugendlichen zu vermitteln, ist eine der Hauptaufgaben
unserer Schule. Lernen wird als lebenslanger Prozess betrachtet. Lernen
bedeutet Aneignung seiner Umwelt in dem Sinne, dass persönliche Bedürfnisse,
Interessen und Fähigkeiten in einem ausgewogenen Verhältnis
zueinander stehen - Förderung, aber nicht Überforderung. Lernen
wird als vernetztes Lernen verstanden. Lernprozesse sind dann effizient,
wenn das Begreifen von vernetzten Zusammenhängen im Mittelpunkt steht.
Handlungsorientierung, der Bezug zur Praxis, zum Leben in unserer Gesellschaft
ist dabei sehr wichtig.
Klare Werte
Montessori, die zwei Weltkriege miterleben musste, forderte eine Weiterentwicklung
der menschlichen Gesellschaft durch Erziehung. Bildung wird somit nicht
als wertfrei gesehen, sondern im Zusammenhang zu den gesellschaftlichen
Bedingungen. Wichtig sind klare Wertorientierungen, die Herausbildung
von Normen, welche ein sinnvolles Miteinander ermöglichen.
Dabei sollen Regeln des sozialen Miteinanders erprobt und geübt werden.
Die Konfliktfähigkeit der heranwachsenden jungen Generation muss
entwickelt werden. Um mit Montessoris Worten zu sprechen: Es geht um die
"Erziehung zum Weltbürger".
Die Vermittlung solcher Inhalte ist nur dann glaubhaft und wirksam, wenn
man den Jugendlichen mit Respekt und Achtung begegnet.
3. Pädagogische Überlegungen
Vorbereitete Umgebung
Die Schule als Erfahrungsschule sozialen Lebens muss eine vorbereitete
Umgebung bieten - Räumlichkeiten und Material.
Im Besonderen werden erforderlich :
· Fachräume für Unterricht mit speziellen Anforderungen
wie
· Naturwissenschaften und Musik
· Werkstätten für Kunst und Handwerk
· Forscherwerkstatt für naturwissenschaftliche Zwecke
· Informatikraum mit Internetzugang
· Bibliothek
Die vorbereitete Umgebung umfasst aber mehr als Arbeitsmaterialien und
räumliche Gegebenheiten. Ebenso wichtig ist das Verhalten der Lehrer,
der Mitschüler, sowie der Eltern. Die Arbeitsatmosphäre ist
ein nicht zu unterschätzender Faktor, wenn es um Lernerfolge in der
Schule geht.
Die Integration von Schülern mit Behinderungen sollte im Sinne Maria
Montessoris selbstverständlich und die Umgebung entsprechend eingerichtet
sein.
Die Rolle der Lehrer
Die Arbeit der Lehrer ist durch Kommunikation untereinander und Teamarbeit
gekennzeichnet. Die verschiedenen Fachlehrer einer Klasse bzw. eines Jahrgangs
- im altersübergreifenden Projektunterricht auch mehrerer Jahrgangsstufen
- bilden ein Team. In regelmäßigen Sitzungen und Supervisionen
wird die Arbeit gemeinsam ausgewertet und geplant.
Die Lehrer erhalten in einer Montessori - Klasse eine völlig neue
Stellung. Ihre Aufgabe beschränkt sich nicht auf die Vermittlung
von Wissen und Einüben von Techniken und Fertigkeiten. In Bezug auf
die Schüler haben die Lehrer eine begleitende Funktion. Ihnen kommt
zunächst die Aufgabe zu, die Schüler in ihrem Lernprozess zu
beobachten und Lernfortschritte festzuhalten.
Im Verhältnis von Lehrer zu Schüler ist es wichtig, dass der
Lehrer mit jedem seiner Schüler vertraut ist und umgekehrt.
Die Lehrer werden in der Freiarbeit und in den Projektphasen zumeist
nur aktiv, wenn sie die Umgebung für den Schulalltag vorbereiten,
ein Schüler durch andere gestört wird oder er Barrieren in seiner
Entwicklung nicht allein überwinden kann. Dabei muss der Lehrer bereit
sein, warten zu können und nicht einzugreifen, selbst wenn der Erfolg
zunächst ausbleibt oder wenn der Schüler einen anderen Lernweg,
eine andere Methode wählt. Dabei gilt es für den Lehrer in diesem
Arbeitsrahmen die Grenze zwischen der Gewährung von Freiheit und
Vernachlässigung der Schüler erkennen.
Die Lehrer machen dem Schüler Vorschläge für ein Arbeitsmaterial,
wenn der Schüler durch das Angebot an Materialien zunächst überfordert
ist. Das Material wählen die Lehrer entsprechend dem Wissensstand
und den Interessen des Schülers aus. Das kann auch eine vorübergehende
stärkere Lenkung des Schülers durch den Lehrer bedeuten, die
dem Schüler zeitweise die freie Arbeitswahl nicht im vollem Umfang
gewährt. Ansonsten kommt den Lehrern eine passive Funktion zu, das
heißt, sie stehen dem Schüler stets helfend zur Seite, wenn
der Schüler darum bittet.
Im Vordergrund steht somit der Aufbau einer individuellen Lernmotivation
und der Glaube an die im Schüler immanenten individuellen Entwicklungskräfte.
Die veränderte Rolle des Lehrers schließt zusätzlich eine
kritische Selbstreflexion ein.
Lehrer sein schließt im Sinne Montessori auch immer ein, in der
Beratung tätig zu werden. Das betrifft sowohl die Arbeit mit einzelnen
Schülern, Gruppen und Klassen, als auch die mit anderen Lehrern und
Eltern. Die Beratung zielt auf ein gemeinsames Finden von Lösungsmöglichkeiten
und hat als Grundlage immer einen lösungs- und ressourcenorientierten
Denk- und Arbeitsansatz.
Montessori-Arbeit heißt in diesem Zusammenhang auch Pragmatismus
und Realismus.
Die Rolle der Eltern
Nicht nur die Lehrerrolle ist im Montessori-Konzept Modifikationen ausgesetzt,
sondern auch Eltern sollen ihr Verhalten entsprechend der Arbeit in der
Schule anpassen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Elternhaus
und Schule wird durch eine schulbegleitende Elternarbeit möglich,
welche Informationen vermitteln und bewusstseinsverändernd auf beiden
Seiten wirken soll. Aus diesem Grund sind Elternversammlungen, die Einsicht
in das Unterrichtsgeschehen vermitteln und Informationen über alle
Lernbereiche weitergeben, unabdingbar.
Eltern werden außerdem als externe Experten in das Lernen einbezogen.
Das kann auf der Basis ihrer beruflichen Erfahrungen geschehen, die sie
- auch zur Berufsorientierung - an die Jugendlichen weitergeben. Eltern
können nach ihren Möglichkeiten in die Projektarbeit einbezogen
werden.
4. Lern- und Arbeitsformen
Stundenpool
Grundsätzlich werden alle Fächer in verschiedenen Anteilen als
gebundener Unterricht und in anderen Lernformen unterrichtet. Die einzelnen
Fächer geben eine unterschiedliche Anzahl von Stunden in einen Stundenpool
ab. Diese Stunden werden - nach Absprache des Lehrerteams - für die
unten erläuterten Arbeitsformen verwendet. Die Einhaltung der Rahmenpläne
wird dabei auf jeden Fall gewährleistet, ein Hinausgehen über
diese Vorgaben wird - für einzelne Schüler oder ganze Gruppen
- ermöglicht und unterstützt.
Gebundener Unterricht
Der gebundene Unterricht entspricht in etwa dem aus Regelschulen vertrauten
Unterrichtsmodell. Im gebunden Unterricht werden besonders die Ziele der
Diskursfähigkeit, aber auch die Fähigkeit zum Aushalten von
fremdbestimmten Lerninhalten und Lehrmethoden verfolgt. Auch stehen hier
die Erfahrungen in heterogenen Groß- und Kleingruppen zur Einübung
von Teamfähigkeit im Mittelpunkt sowie das Erlernen von Kommunikationsregeln
und deren Anwendung. In dieser Unterrichtsform werden den Schülern
Lerninhalte aus den Rahmenplänen vermittelt, es wird Material eingeführt
und sie setzen sich mit fachspezifischen Leistungsanforderungen auseinander.
Grundlage für den gebundenen Unterricht bleibt auch hier die Heterogenität
der Lerngruppen,, d.h. Stationenlernen, Themenpläne, Lernarrangements
aus Pflicht-, Wahlpflicht- und optionalen Anforderungen auf unterschiedlichem
Niveau. Der gebundene Unterricht bildet ferner die Grundlage für
fächerübergreifendes Arbeiten, für Projekt - und Epochenlernen.
Jahrgangsübergreifendes Arbeiten
Die von Maria Montessori geforderten Jahrgangsübergreifenden Lernformen
sind in Berliner Grundschulen bereits vielfach erfolgreich erprobt worden.
Von vielen Eltern dieser Schulen wurde der Wunsch nach einer Fortsetzung
in der Sekundarstufe geäußert. Jahrgangsübergreifende
Lernformen ermöglichen es jüngeren Schülern, von älteren
zu Lernen und damit auch besonders begabten Schülern, sich entsprechend
schneller zu entwickeln. Umgekehrt wird es den Älteren ermöglicht,
ihr Wissen anzuwenden indem sie es weitergeben. Lerninhalte werden wiederholt
und verfestigt, was es auch schwächeren Schülern ermöglicht,
sich mit Lerninhalten längere Zeit auseinander zu setzen.
Jahrgangsübergreifendes Lernen wird in den Freiarbeitsstunden praktiziert
(Mischung: Klasse 7/8 und Klasse 9/10, Oberstufe). Darüber hinaus
kann auch Projektarbeit bzw. fächerübergreifender gebundener
Unterricht in altersgemischten Lerngruppen stattfinden. Die Lehrer der
entsprechenden Jahrgangsstufen arbeiten in Teams eng zusammen.
Alle nicht-jahrgangsgebundenen Lernformen finden grundsätzlich auch
in altersgemischten Konstellationen statt (Kurse, AGs, Schülerfirmen,
Präsentationen, Gesprächskreise, Konflikttraining usw.)
Das jahrgangsgemischte Arbeiten unterstützt die Forderung Maria
Montessoris nach Chancengleichheit für alle Kinder: "Nicht alle
können gleich sein, doch allem muss man gleiche Möglichkeiten
geben, sich entfalten zu können." Es fördert lernschwächere
Schüler, z.B. solche mit Migrationshintergrund, ist allerdings auch
gerade für die Förderung besonders begabter und hochbegabter
Kinder geeignet.
Freie Arbeit
Die freie Arbeit ist ein wesentlicher Baustein der Montessori-Pädagogik.
Als charakteristische Langzeitwirkung der Freiarbeit wurden in vielen
Studien immer wieder das gesteigerte Interesse der Schüler an den
Inhalten und am eigenen Bildungsweg dokumentiert, ein allgemeines Absinken
von Fehlstunden und Unterrichtsstörungen, die Zunahme an Selbstdisziplin
und eine generelle Verbesserung des sozialen Klimas verzeichnet.
In den Phasen der freien Arbeit können die Schülerinnen und
Schüler- innerhalb eines vorgegebenen Rahmens und nach vereinbarten
Regeln - ihre Arbeit selbst bestimmen und selbständig daran arbeiten.
Sie wählen dafür aus einem umfangreichen, altersgemäßen
Angebot an Lernmaterialien aus, das aus verschiedenen Fachgebieten bereit
gestellt wird. Sie arbeiten an diesem Material in ihrem eigenen Lerntempo
und schließen das Material nach dieser individuellen Lernphase ab.
Es wird, neben der klassischen Freiarbeit, auch bestimmte Pflichtaufgaben
geben, die über einen längeren Zeitraum hinweg zu erledigen
sind. Diese Pflichtaufgaben dürfen jedoch nie die eigentliche, selbstbestimmte
Freiarbeit dominieren.
Jede Schülerin und jeder Schüler geht vorbereitet in die Freiarbeit,
d.h. er ist sich bewusst darüber, was zu erarbeiten oder vertiefen
ist und nimmt sich ein individuelles Lernziel vor. Freie Arbeit ist also
nicht zu verwechseln mit "laissez-faire".
In den Arbeitsbereichen finden die Schülerinnen und Schüler
das Arbeitsmaterial vor, das sie brauchen ("vorbereitete Umgebung").
Arbeitsbereiche sind neben den Klassen- und Fachräumen auch Stillarbeitsräume,
Gruppenarbeitsräume und die Bibliothek.
Alle Materialen und Hilfsmittel, wie z.B. Computer, werden durch die Lehrer
eingeführt, oder, nach vorheriger Anweisung der Lehrer, auch von
älteren Schülern den jüngeren Schülern erklärt.
Während der Freiarbeitsperioden sind Fachlehrer in den Arbeitsbereichen
vor Ort, die den Schülerinnen und Schülern die Sicherheit geben,
die sie brauchen. Sie können jederzeit um Rat und Unterstützung
bitten.
Die freie Arbeit erfordert gegenseitige Rücksichtnahme und Toleranz.
Sie fördert damit auch das soziale Lernen. Die freie Arbeit übt
außerdem darin, das eigene Arbeiten zu strukturieren, aber auch
mit anderen zusammen zu arbeiten. Diese Schlüsselqualifikationen
sind Grundvoraussetzungen für selbständiges, lebenslanges Lernen
und damit auch für das spätere Berufsleben.
Die Freiarbeitsphasen sind Bestandteil des Fachunterrichts, die Fachlehrer
geben eine bestimmte Anzahl ihrer gebundenen Unterrichtsstunden in den
Stundenpool ab (s.o., für die Anzahl der Freiarbeits- und Projektstunden
pro Jahrgangsstufe vgl. Stundentafel). Die Lernziele, die in der Freiarbeit
erreicht werden sollen, werden gemeinsam mit den entsprechenden Fachlehrern
geplant und entsprechen den Unterrichtszielen aller staatlichen Berliner
Schulen. Die Freiarbeit bezieht sich überwiegend - nicht ausschließlich
- auf Fächer, die sich gut für individuelle oder experimentelle
Arbeiten eignen, wie Mathematik, Naturwissenschaften, Erdkunde, Geschichte
und Kunst. Bei Fächern, bei denen das gemeinsame Gespräch im
Mittelpunkt steht, wird ein größerer Teil der Unterrichtsstunden
im gebundenen Unterricht stattfinden. (Deutsch, Fremdsprachen, Philosophie,
Religion und Ethik, Musik). Sport findet ausschließlich als gebundener
Unterricht statt. Auch in diesem Unterricht sollen Selbständigkeit
und das individuelles Lernen ermöglicht werden, z.B. durch Stationenlernen
und Gruppenarbeiten.
Die tägliche Freiarbeit wird in den höheren Jahrgansstufen
zunehmend geblockt und von Projektarbeit, Planspielen, Schülerfirmen
und anderen Formen selbständigen Arbeitens abgelöst (s.u.).
Projektarbeit/ Epochenunterricht
Im Epochenunterricht schließen sich die Lehrer verschiedener Fächer
zusammen, um an Hand eines gemeinsamen Oberthemas ihren Fachunterricht
interdisziplinär zu verbinden. So ein Oberthema in der Jahrgangsstufe
7/8 könnte beispielsweise das Thema "Weggehen-Ankommen-Migration"
sein, das die Fächer Deutsch, Erdkunde, Geschichte, Religion und
Kunst einbezieht: Im Deutschunterricht wird ein Jugendbuch zum Thema Holocaust
gelesen, in Geschichte der historische Kontext erarbeitet, im Fach Religion
jüdische Religion erarbeitet und das Land Israel wird Thema des Erdkunde-Unterrichts.
Für die Projektarbeit gilt das gleiche wie für den Epochenunterricht,
wobei es in den Projekten darum geht, das Lernen in reale Handlungsabläufe
einzubetten. Diese Lernform kommt den Bedürfnissen der Jugendlichen
besonders entgegen. Projektarbeit ist auf aktives Lernen ausgerichtet.
Sie ist in der Regel gemeinsam geplant, vom Gruppeninteresse getragen
und wird gemeinsam verantwortet. Sie ist oft berufs- oder gesellschaftsbezogen.
Langfristig kommt Projektarbeit der Humanisierung und Demokratisierung
der Schule und der Gesellschaft zugute und reicht damit weit über
die fachlichen Lernziele hinaus. Merkmale der Projektarbeit sind z.B.
der "Situationsbezug, Orientierung an den Interessen der Beteiligten,
Selbstorganisation und Selbstverantwortung, gesellschaftliche Praxisrelevanz,
zielgerichtete Projektplanung Produktorientierung, Einbezug vieler Sinne,
soziales Lernen, Interdisziplinarität, Bezug zum Lehrgang, Einbindung
der Projektarbeit in die Systematik eines oder mehrerer Fächer".
Projektarbeit ist ein regelmäßiges, fest eingebundenes Angebot
im Stundenplan.
Ein Projekt im Anschluss an das oben als Beispiel genannte Thema könnte
darin bestehen, sich am Berliner Projekt "Stolpersteine" zu
beteiligen und alle dafür nötigen Schritte selbst in die Wege
zu leiten, sowie die Unterrichtsergebnisse der gesamten Schule zu präsentieren,
etc.
Planspiele
Auch Planspiele sind eine Möglichkeit, dem Bedürfnis der Jugendlichen
nach realen Handlungsabläufen entgegen zu kommen. In Planspielen
werden komplexe Sachverhalte aus der Wirklichkeit auf ihre wesentlichen
Elemente reduziert, damit die Lernenden einen möglichst selbständigen
Zugang bekommen. Planspiele erfordern Rollenspiele in Gruppen und Gremien,
die verschiedene Aspekte und gesellschaftliche Bewertungen eines gesellschaftlichen
Problems oder Handlungsablaufes erarbeiten und darstellen. Neben kommunikativen
Kompetenzen erwerben die Jugendlichen so auch vielfältige fachliche
und methodische Kompetenzen.
Planspiele eignen sich gut für selbstgesteuerte Lernprozesse. Im
Planspiel erarbeitete Inhalte behalten Jugendliche besonders gut, weil
durch das Spiel ein sehr intensives, auch affektives Lernen ermöglicht
wird, das die rein kognitiven Lernprozesse in der Schule ergänzt.
Der Transfer von Fachwissen in reale Handlungsabläufe fördert
zahlreiche weitere Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit,
Verantwortungsgefühl, Engagement, Verhandlungsgeschick, Strategie-
und Konsensfähigkeit.
In Zusammenarbeit mit Firmen wurden viele Planspiele entwickelt und sind
z.B. im Internet zu finden, so dass deren aufwändige Entwicklung
die Lehrer nicht zusätzlich belasten muss.
Planspiele werden ebenso wie Projekt- und Epochenunterricht in den Unterricht
integriert.
Arbeit an und in Schülerfirmen
Schülerfirmen sind eine reale Fortführung der Idee des Projektunterrichts.
Sie gehen auf das Interesse der Jugendlichen an eigenverantwortlichem
Arbeiten und finanzieller Unabhängigkeit ein. Im Interesse der Gesellschaft
führen Schülerfirmen die Jugendlichen mit der Wirtschaft zusammen.
Jugendliche gründen Miniunternehmen. Dies können beispielsweise
ein Kiosk an der Schule, eine Cateringfirma, eine T-Shirt-Gestaltungsfirma
u.a. sein. In Berlin gibt es zahlreiche Beispiele für funktionierende
Schülerfirmen, in denen die Jugendlichen wirtschaftliche Zusammenhänge
besser verstehen und die Aufgaben von Unternehmern durch eigene Erfahrung
kennen lernen. Diese Praxiserfahrungen wirken auch insofern wieder auf
den Schulstoff zurück als den Schülern klar wird, wie weit sie
tatsächlich "für das Leben und nicht für die Schule
lernen."
Schülerfirmen werden durch verschiedene Initiativen der Deutschen
Wirtschaft gefördert, z.B. durch "JUNIOR" - Junge Unternehmer
initiieren - organisieren - realisieren.
Praktika
Schülerpraktika sind eine wichtige Ergänzung des Unterrichts.
Sie vermitteln - ebenso wie Schülerfirmen - positive Impulse für
das schulische Weiterlernen, steigern das Selbstwertgefühl durch
die Anerkennung im Praktikumsbetrieb, erweitern den Wissenshorizont und
schaffen Zukunftsperspektiven und damit Lernmotivation. Praktika sollen
nicht nur auf einen Beruf hinführen sondern ermöglichen eine
breite Orientierung, bei der die Schüler lernen, eigene Interessen
und Fähigkeiten realistisch einzuschätzen.
Die Praktika sollen im Rahmen des Unterrichts vor- und nachbereitet werden.
Zur Vorbereitung gehört neben dem fachlich-inhaltlichen Unterricht
auch Bewerbungstraining. Zur Nachbereitung werden die Erfahrungen im Praktikumsbericht
ausgewertet und in Präsentationsphasen dokumentiert.
Neben dem Aspekt der Berufsvorbereitung können Praktika auch soziale
Kompetenzen fördern. Die weiterführende Schule soll zu konkretem
sozialen Handeln anleiten. Dies ist in unserer Gesellschaft und angesichts
der um sich greifenden Auflösung traditioneller Familienstrukturen
wichtiger denn je. Deshalb sollen alle Schüler auch Sozialpraktika
in Krankenhäusern, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen, Sozialstationen
u.ä. leisten. Die Sozialpraktika können auch in Form von wöchentlich
geleisteten Stunden statt im Block stattfinden. Die Schüler suchen
sich die Einrichtungen selbst, falls notwendig mit Hilfestellung durch
die Schule. Auch die Sozialpraktika müssen durch die Schule vor-
und nachbereitet werden, da sie zum Teil hohe emotionale Anforderungen
an die Schüler stellen werden. Als Wahlangebote können Fachleute
aus verschiedenen sozialen Bereichen beispielsweise Rollenspiele, Gespräche,
aber auch theoretische Reflexionen anbieten.
Kurse und AGs
Kurse und AGs sollten als freiwilliges Wahlangebot den Unterricht ergänzen
und können von außerschulischen Trägern, von Schülern
selbst, von Eltern und von Lehrern angeboten werden. Sie fördern
die Identität der Schule und entsprechen der Idee von Schule als
Lebensraum.
Reisen
Reisen bildet. Dieser einfachen Weisheit wird die Montessori-orientierte
Oberschule durch Schüleraustausch und Studienfahrten gerecht. Die
Reisen fördern Offenheit, Toleranz, Neugierde - und selbstverständlich
auch die Fremdsprachenkompetenz. Reisevor- und nachbereitungen können
hervorragend in den Projektunterricht integriert werden und werden möglichst
selbständig von den Schülern durchgeführt.
Präsentationsphasen
Präsentationsphasen sind ein fester Bestandteil allen Unterrichts.
Die Schüler präsentieren einander regelmäßig die
Ergebnisse ihrer Arbeiten.
Darüber hinaus gibt es Präsentationstage, an denen die ganze
Schule in Form von Vorführungen, Ausstellungen, Filmen u.ä.
an den Lernerfolgen aller Schüler teilhat und sich auch Eltern und
allen anderen Interessierten präsentiert.
Gesprächskreise
In der Schule des sozialen Lebens ist Kommunikation ein elementarer Bestandteil
der Lernkultur. In täglichen Gesprächskreisen innerhalb der
Lerngruppen (Klassen) werden alle Anliegen der Schüler und Lehrer
besprochen, es werden Arbeitsvorhaben und Unterrichtsformen vorgestellt
und die Schüler haben die Möglichkeit, sich zuzuordnen. In den
Gesprächskreisen werden gemeinsame Unternehmungen geplant, aber auch
die Regeln des sozialen Miteinanders diskutiert und gemeinsam festgelegt.
Die Gesprächskreise dienen auch dem Austausch von persönlichen
Erfahrungen.
Darüber hinaus können thematische Gesprächskreise klassenübergreifend
organisiert werden, zu denen beispielsweise auch externe Experten hinzugezogen
werden.
Das Gespräch soll Basis einer demokratischen Entwicklung und ein
selbstverständlicher Bestandteil menschlicher Umgangsformen sein.
Die Gesprächskreise sind so auch als (präventives) Konflikttraining
zu verstehen: Verhandeln als Schulkultur. Schüler, Lehrer und Eltern
müssen ihre Interessen klar definieren können und auf dieser
Grundlage nach Kompromissen suchen. Alle müssen lernen, sich in die
Positionen der anderen hineinzudenken, annehmbare Vorschläge anzubieten
und bei den eigenen Zielen Abstriche zu machen. Auch Konflikte können
fruchtbar sein, wenn man sie gut führt.
Konflikttraining
Zusätzlich zu den Gesprächskreisen nehmen die Schüler der
9. Jahrgangsstufe an einem externen Konfliktlotsentraining teil, bei dem
sie darin geschult werden, Konflikte gewaltfrei miteinander zu lösen.
Interessierte Schüler können sich als Streitschlichter wählen
lassen und werden im Konfliktfall zur neutralen Anlaufstelle für
andere Schüler.
5. Reflexion des Entwicklungs- und Lernprozesses, Benotung, Schulabschlüsse
Die Schule richtet sich nach dem Schulgesetz für das Land Berlin
und ermöglicht alle Schulabschlüsse. Entsprechend erhalten alle
Kinder halbjährlich benotete Zeugnisse.
Die Zeugnisse mit Ziffernbenotung sind jedoch pädagogisch umstritten
und entsprechen nicht der Montessoripädagogik. Sollte sich auf Grund
von § 18 SchulG hier eine abweichende Form von Lernerfolgsbeurteilungen
ermöglichen lassen, werden die unten als Ergänzung erläuterten,
ausformulierten Berichte die Ziffernzeugnisse ersetzen. Ziffernzeugnisse
werden dann nur bei Bedarf ausgestellt, d.h. wenn ein Schüler an
eine andere Schule wechseln möchte bzw. bei den zentralen Abschlussprüfungen.
Um auch die Leistungen zu erfassen, die sich nicht in Ziffernoten wiedergeben
lassen und um einen kontinuierlichen Einblick in das Arbeitsprofil zu
ermöglichen, führen die Lehrer für alle Schüler Pensenbücher,
die in ausformulierten Berichten münden. Darin werden beispielsweise
festgehalten: Sozialverhalten, Umgang mit Dingen, Leistungsstärken-
und schwächen, individuelle Leistungssteigerungen und vergleichender
Leistungsbericht, Empfehlungen u.a.
Ergänzend dazu wird die Eigenverantwortlichkeit der Schüler
gefördert durch ein individuelles "Leistungsportfolio",
in dem neben den Zeugnissen auch Sporturkunden, Teilnahmebescheinigungen
für Kurse und Praktika, Sprachprüfungen, Auslandsaufenthalte,
usw. archiviert werden. Das Leistungsportfolio kann ergänzt werden
durch Lerntagebuchaufzeichnungen der Schüler.
6. Stundentafel, Tages- und Jahresablauf
Dieser Punkt sollte in enger Zusammenarbeit mit den Lehrern der zu gründenden
Schule erarbeitet werden und wird sich an den neuen Rahmenplänen
orientieren. Ein Vorschlag als Diskussionsgrundlage wird derzeit (Februar
2004) von der AG Konzept erstellt.
7. Zeitplan für die Umsetzung
Spätestens zum Schuljahr 2004/2005 sollen die ersten 7. Klassen
beginnen, die Schule kann dann schrittweise aufgebaut werden.
Aus organisatorischen und finanziellen Gründen bietet sich die sukzessive
Umwandlung einer bestehenden Oberschule zu einer Montessori-orientierten
Oberschule an.
In Berlin, speziell in der Innenstadt, stehen momentan sinkende Schülerzahlen
einem zukünftigen Bedarf an Schulen und einem aktuellen hohen Bedarf
nach einer Montessori-Oberschule entgegen (500 Interessenten). Es bietet
sich an, hier auf langfristige Lösungen zu setzen und Oberschulen,
deren Schließung aus finanziellen Gründen in Erwägung
gezogen werden müsste, die Möglichkeit einer Umwandlung in einer
Montessorischule vorzuschlagen. Dieser Weg hat sich in Düsseldorf
im vergangenen Jahr als sehr erfolgreich erwiesen .
Hier besteht auf politischer Ebene dringender Handlungsbedarf. Ein Beschluss
des Senats könnte die Verwaltung in die Schulsuche einbeziehen und
damit einen unkomplizierten und kostengünstigen Weg ermöglichen.
8. Finanzbedarf
Die Umsetzung an einer bereits bestehenden Schule hätte den Vorteil,
dass nur wenige zusätzliche Kosten entstehen. Zahlreiche Lehrer mit
Montessori-Ausbildung haben bereits Interesse signalisiert und können
an eine solche Schule versetzt werden.
Die wissenschaftliche, handlungsorientierte Evaluation kann durch die
Kooperation mit Universitäten und Stiftungen kostenneutral realisiert
werden.
Zusätzliche Mittel, beispielsweise für Material, könnten
durch eine enge Zusammenarbeit mit der Wirtschaft realisiert werden, die
Reformen auf diesem Gebiet dringend angemahnt hat.
Darüber hinaus sollte überprüft werden, inwiefern das
Ganztagsschulprogramm des Bundes weiteren Handlungsspielraum eröffnen
würde.
Berlin, 5.2.2004
AG Konzept der "Initiative Weiterführende Montessori-Schule
2005"
Verwendete Literatur:
Ludwig, Harald (Hg.), Erziehen mit Maria Montessori, Freiburg Basel Wien:
Herder, 1997.
Ludwig, Prof. Dr. Harald, Gutachten zum Konzept des 'Vereins zur Gründung
einer staatlich anerkannten Montessori-Sekundarschule in Düsseldorf',
Münster: 2003.
Meisterjahn-Knebel, Gudula, Montessori-Pädagogik und Bildungsreform
im Schulwesen der Sekundarstufe, Frankfurt am Main: 1995.
Meisterjahn-Knebel, Montessori-Pädagogik in der weiterführenden
Schule, Freiburg Wien Basel: Herder, 2003.
Montessori, Maria, Von der Kindheit zur Jugend, Freiburg: 1966, 1988.
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